Sonntag, 5. August 2012

IN DER BUNDESLIGA NICHTS NEUES

HAMBURG - Die Bundesligateams stecken noch in Mitten der Vorbereitungen. Schließlich beginnt die Saison erst in drei Wochen, wie schon gewohnt, mit dem DFB-Pokal und das hat für viele Bundesligisten immer noch Freundschaftsspielcharakter. Trotzdem konnten fleißige Beobachter bei dem Werbewettbewerb „LIGA Total CUP“ bereits erahnen, wie die beiden Kontrahenten Dortmund und Bayern in der Sommerpause arbeiten, welche Spielsysteme sie präferieren und wie sich die Neuzugänge präsentieren.




Robert Lewandowski (r.) behauptet den Ball gegen Bremens Marko Arnautovic (l.).

Jürgen Klopp sagte vor dem Spiel gegen Werder Bremen, dass er bekloppt sei, wenn er schon seine Stammformation auf den Rasen schicken würden. Tatsächlich sagen die Aufstellungen noch wenig aus, wird doch rotiert, geschaut wer mit wem zusammen am besten spielen kann und sich aneinander gewöhnt. So werden die Spieler munter durch getauscht, damit jeder einmal mit jedem unter „Wettkampfbedingungen“ zumindest eine Halbzeit absolviert hat.
Nach den beiden Halbfinalpartien gestern, die zu Gunsten von Dortmund und Bremen entschieden wurden trafen im Spiel um Platz drei der FC Bayern München und der Gastgeber, der Hamburger SV aufeinander. Die Bayern präsentierten eine nicht veränderte Spielphilosophie im Vergleich zur letzten Saison. Noch immer wird der Fokus auf das Halten des Balles gelegt. Ballbesitz und Dominanz zeichnen die Bayern weiterhin gegenüber langsamem Umschalten und hohem Pressing aus. Es scheint, als habe es Heynckes einmal mehr versäumt, alternative Spielweisen einzustudieren. Unberechenbarer hingegen werden die Bayern wegen eines Neueinkaufs: Xherdan Shaqiri, der junge Schweizer, 12 Millionen Euro schwer, kann der neue Ribéry werden. Was er am Ball zeigt, scheint außergewöhnlich und kann mehr als eine Waffe werden, als nur Lückenbüßer für die bayrische Flügelzange Robben und Ribéry. Die anderen Transfers aber spielten sich (noch) nicht in den Vordergrund. Mandzukic, zuvor von den Bayern-Verantwortlichen gelobt, trat kaum in Erscheinung und muss nach der Verletzung von Mario Gomez beweisen, dass er zu Recht ein guter Back-Up sein kann. Der junge Emre Can spielte auf ungewohnter Position als linker Verteidiger und zeigte dabei eine wackelige Vorstellung. Für diese Position fehlt es ihm an Schnelligkeit. Es bleibt deshalb fraglich, ob die jungen Spieler unter Heynckes einen Schritt nach vorne machen können. Es könne eben sein, dass viele Spieler ausfallen und sie dann eine Option darstellen, sagte Heynckes im Anschluss. Wer von seinen Spielern überzeugt ist, wählt andere Worte. Dem aus Köln gekommenen, 18-jährigen Siegtorschützen gegen den HSV, Mitchell Weiser, werden die Worte bestimmt negativ aufgestoßen sein. Jürgen Klopp hingegen kennt man anders. Er gerät bei Ausführungen über seine eigenen Spieler gerne in positive Wallungen, lobt seine Spieler über den grünen Klee. Von der Leistung der jungen und neuen Abwehr in der Anfangsviertelstunde gegen Werder Bremen wird er aber kaum Positives berichten können. Der für 400.000 Euro aus Kaiserslautern gekommene Oliver Kirch, der als Back-Up für den polnischen Nationalspieler Lukas Piszczek verpflichtet wurde, scheint dabei noch nicht den Anforderungen Klopps zu entsprechen. Vor dem Spiel gab dieser noch zu Protokoll, dass Kirch ein ausdauernder, schneller Spieler sei, dem das robuste Verteidigen noch beigebracht werden müsste. Doch robustes Verteidigen alleine war beim Spiel gegen die Bremer nicht die einzige Schwäche Kirchs. Es fehlt ihm an Schnelligkeit und Technik. Gegen Bremens Linksaußen Elia verlor er einige Duelle. Die für Klopps Spielsystem wichtige Ballmitnahme im Tempo bereitet ihm Schwierigkeiten. Noch aber sind sowohl Kirch, als auch die anderen Neuzugänge, wie die jungen Bittencourt (18 Jahre, offensives Mittelfeld), Günter (17 Jahre, Innenverteidigung) und Amini (18 Jahre defensives Mittelfeld) nur Kaderergänzungen und für die erste Elf nicht vorgesehen, weshalb die Dortmunder Verantwortlichen beruhigt sein können. Beide zuerst genannten deuteten zudem ihre Klasse bereits an und könnten in näherer Zukunft zu erstklassigen Bundesligaspielern reifen. Ein erstklassiger Bundesligaspieler ist Marco Reus bereits. Der Königstransfer der Borussia, der als bester Spieler der letzten Saison von seinen Kollegen ausgezeichnet wurde, soll die Rolle des nach Manchester gewechselten Kagawas übernehmen und scheint dies ohne Probleme zu können. In Spielübersicht, Technik und Schnelligkeit steht er dem Japaner in keinem nach. Eher noch überzeugt er durch einen effektiveren Abschluss. Nur im Aufnehmen von Defensivaufgaben scheint er noch Nachholbedarf für das Borussenspiel zu haben. Klopp nämlich weicht von seiner erfolgreichen Philosophie nicht ab. Überfallartiges Angreifen über schnelle Außenverteidiger, offensives Pressing und das Schaffen von Überzahlsituationen im Strafraum ist bei den meisten Spielern Dortmunds abgestimmt und eintrainiert. Warum also umstellen?

Es bleibt abzuwarten, ob die Mannschaften der Bundesliga diese Saison ein Mittel finden, das läuferisch aufwendige Spiel Dortmunds auszuschalten. Noch ist aber auch nicht aller Tage Abend. Erwähnte Jürgen Klopp zuletzt, dass es erst an die taktischen Feinheiten gehe, nachdem die Trainingslager vor allem dazu da waren, die Fitness aufzubauen.
Der Endspurt der Vorbereitungen wird scheinbar eingeleitet. Bei den Borussen sind viele Automatismen noch einstudiert. Die unter Zugzwang stehenden Bayern aber scheinen noch im Rückstand. Es ist also noch viel zu tun. Noch sind keine großartigen Neuerungen zu sehen. Auch Matthias Sammer scheint der Mannschaft noch kein  Siegergen verinnerlicht zu haben, wenn man bemerkt, dass die Spieler doch relativ belanglos vernahmen, dass sie gegen Bremen im Elfmeterschießen verloren. Und dann ist da noch die Causa Bastian Schweinsteiger. Schon wieder hatte er Probleme mit seinem Sprunggelenk, nachdem er umgeknickt war. Dass das lädierte Gelenk auf kleinste Erschütterungen reagiert spricht nicht für eine vollständige Heilung seiner Verletzung. Es wäre ihm zu wünschen, dass nichts Schwerwiegendes passiert ist und er die gesamte Vorbereitung absolvieren kann, um zu alter Leistungsstärke zurück findet.  Bisher aber  scheint sich das Pech aus der vergangenen Saison fortzusetzen. Ebenso wie das Spiel der Bayern. In der Bundesliga also bislang noch nichts Neues.

Werder Bremen siegte im Elfmeterschießen gegen Borussia Dortmund und gewann den Liga Total Cup 2012.

Text: Frederic Zauels, Pictures: Muenstersche Zeitung und Nordbayern.de

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