Montag, 27. August 2012

DER HALBE UMBRUCH

KÖLN - Nach dem Weggang von Publikumsliebling Lukas Podolski zum FC Arsenal und den besiegelten Abstieg am letzten Spieltag zogen die Verantwortlichen des FC Köln einen Schlussstrich unter die wohl spielerisch schwächste Erstligasaison der Geschichte – vermeintlich. Der schwache Zweitligastart mit nur einem Punkt aus drei Spielen war sicher nicht eingeplant. Die Handschrift des neuen Trainers Stanislawski ist ebenso noch nicht zu erkennen, wie dessen volles Vertrauen in einen Umbruch mit jungen Spielern. Es scheint, als traue man sich beim FC eine „totale Revolution“ nicht zu – dabei sprechen die bisherigen Ergebnisse dafür.








Enttäuschte Kölner Spieler nach dem 0:2 bei Erzgebirge Aue (Foto: DPA).

Vor der Saison wurden Großverdiener wie die Portugiesenfraktion um Pedro Geromel, Henrique Sereno und dem Altstar Petit ebenso aussortiert, wie die wenigen Leistungsträger der vergangenen Saison Michael Rensing und Skandalprofi Slawomir Peszko. Neu hingegen vor allem Spieler aus der zweiten Mannschaft: Jonas Hector, Lukas Kübler, Kacper Przybylko – allesamt Viertligaerfahren, mehr jedoch (noch) nicht. Einzig Timo Horn, Juniorennationalspieler, vielversprechendstes Torwarttalent seines Jahrgangs, verstärkt dem Namen nach den Kader.

Im Spiel gegen Aue werden die Probleme der Mannschaft klar. Es ist die achtzigste Minute: Die Statistik zeigt eigentlich einen dominierenden FC Köln: 8:0 Ecken, 64% Ballbesitz, 16:4 Torschüsse. Ein normales Ergebnis wäre hierbei ein 2:0, in der Realität führte Gegner Aue mit 2:0. Das Spiel scheint statisch, Laufwege nicht bis zur Perfektion trainiert und das Passspiel einiger Akteure ausbaufähig. Auf einen Rückstand kann das Team nicht entsprechend einer Spitzenmannschaft reagieren. Stanislawski wird im Nachhinein trotzdem das Spiel seiner Mannschaft loben. Zwischen den „Boxen“ habe sein Team sehr gut Fußball gespielt, sagt der exzentrische Trainer. Fußball jedoch wird durch Tore entschieden und die scheint in Köln niemand schießen zu können. Die beiden Stoßstürmer Mikael Ishak und Chong Tese haben noch kein einziges Tor für den Domverein geschossen. Geld für einen qualitativen Spieler, der Tore garantiert, scheint nicht vorhanden. Die jungen, vielversprechenden Spieler wurden entweder (noch) nicht in die Mannschaft eingebaut, oder für nicht gut genug empfunden und in die zweite Mannschaft versetzt. Es wird weiter auf die auffällig nüchtern agierenden Spieler der Abstiegsmannschaft gesetzt. Miso Brecko übt sein Amt als Kapitän bei Leibe nicht so leidenschaftlich aus, wie das Autofahren über Straßenbahnstrecken. Bei  Mato Jajalo und Kevin Pezzoni scheint das Feuer für den Verein bereits komplett erloschen. Die fehlende Leidenschaft führte bereits das ein oder andere Mal zu extremen individuellen Fehlern. Stanislawski und sein Trainerteam halten an diesen Spielern trotzdem fest. Lichtblicke hingegen sind rar gesät. Einer ist sicherlich Timo Horn, der die Vorschusslorbeeren bisher positiv bestätigte und trotz seiner erst 20 Jahre Abgeklärtheit und fußballerische Klasse demonstrierte. Ihm tat es sicherlich gut, dass die Verantwortlichen, vorneweg der neue Vizepräsident und ehemalige Weltklassekeeper Toni Schumacher ihm von vorneherein das Vertrauen aussprachen. Den anderen jungen Spielern wurde hingegen nicht derart demonstrativ der Rücken gestärkt. Umso schwerer fassen sie Fuß. Ansprechende Leistungen durfte bislang nur Jonas Hector zeigen. Enttäuscht haben die jungen Spieler aber noch nicht. Die Erfahrenen jedoch schon. Kredit scheinen sie trotz fehlender Klasse beim Trainerteam zu besitzen. Es stellt sich die Frage, für wie lange noch.



Holger Stanislawski ist verzweifelt ob der naiven Vorstellungen seiner jungen Mannschaft.

Text: Frederic Zauels, Pictures: DPA 

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen