Samstag, 10. November 2012

MIT ANGEZOGENER HANDBREMSE


AUGSBURG - Borussia Dortmund gewinnt nach dem triumphalen Unentschieden im Bernabéu auch im vermeintlich ruhigen Augsburg. Individuelle Glanzlichter übertrumpfen einen spielerisch schwachen Auftritt der Klopp-Elf. Für die Augsburger bedeutet die Niederlage einen weiteren Rückschlag im Kampf um den Klassenerhalt. Der Rückstand auf den letzten Bundesligaplatz beträgt bereits fünf Punkte.



Robert Lewandowski war mit zwei Treffern gegen den FC Augsburg Machtwinner der Borussia. (Foto: DeFodi)

Es schlug die achte Minute als Marco Reus mal wieder zu einem seiner gefürchteten Dribblings ansetzte. Augsburgs Verteidiger Langkamp konnte nur noch sein Bein dazwischen stellen und der Dortmunder nahm das Freistoßgeschenk gerne an, verwandelte er doch gleich selbst aus spitzem Winkel mit einem genialen Schuss in selbigen. Der Sonntagsschuss von Reus war für die Borussia aus Dortmund aber offenbar ein Signal, dass Fußballspielen einzustellen. Der Torschütze hatte sich wohl selbst geirrt, glaubte er auch im Nachhinein noch, dass das frühe Tor der Dortmunder Mannschaft eigentlich in deren Karten spielen sollte. Der Dortmunder Motor jedoch stellte auf Kraftsparmodus um. Von da an spielte nur noch die Mannschaft von Trainer Markus Weinzierl, der FC Augsburg. Dortmunds Sportdirektor Michael Zorc hatte schon vor dem Spiel gewarnt und gehofft, dass sein Team nach dem Champions-League-Auftritt in Madrid „die richtigen Gedankengänge für so ein Spiel kanalisieren kann“. Auch wenn es kompliziert klang, so erhoffte sich der sportliche Leiter der Borussia ganz profan, dass seine Spieler das Champions-League-Niveau endlich auch in die Bundesliga konservieren können. In der ersten Hälfte aber war die ein oder andere Sorge der Verantwortlichen aufgrund des Chancenplus des Tabellenletzten verständlich. 

In der Halbzeit fand Dortmunds Trainer, der im Vergleich zum Spiel bei Real Madrid lediglich Sven Bender und Felipe Santana für die angeschlagenen Kehl und Subotic in die Mannschaft rotierte, die richtigen Worte. Jedenfalls schien die Borussia darauf bedacht, dass Spiel beim Tabellenletzten schnell zu entscheiden. Torjäger Robert Lewandowski, um den es in dieser Woche wieder einmal Wechselgerüchte gab, entschied dann auch im Alleingang: Nach ansehnlicher Vorarbeit von Mario Götze setzte er sich gegen zwei Augsburger Verteidiger durch und tunnelte Torwart Jentzsch (51.), bevor Nationalspieler Reus dem Polen so auflegte, dass er nur noch einschieben musste (70.). Zwar traf Sascha Mölders für die Augsburger noch zum Anschluss und beendete somit die 369 Minuten anhaltende Tormisere in der SGL-Arena, doch dies war nur noch Kosmetik.

Die Borussia gewinnt demnach zum zweiten Mal in Folge auswärts und hat die internationalen Plätze weiterhin im Blickfeld. Augsburg und Trainer Weinzierl hingegen müssen sich hinterfragen, ob eine offensive Taktik für die Mannschaft passend erscheint. Die Abschlussschwäche der Augsburger ist bei einem positiven Torschussverhältnis von 13:12 jedenfalls offensichtlich, sodass letztendlich das Ausnahmekönnen der BVB-Spieler den Unterschied ausmachte. Das stellt auch Michael Zorc nüchtern fest: „Die individuelle Klasse entscheidet dann eben solche Spiele.“ Der Augsburger Mannschaft fehlt ein kaltschnäuziger Vollstrecker. Vielleicht kann der Langzeitverletzte Mölders wieder in diese Rolle hineinschlüpfen. Der erfolgreichste Schütze der letzten Saison verzeichnete mit seinem Anschlusstreffer den einzigen Lichtblick für die Fuggerstädter an einem sonst zu vergessenem Nachmittag.

FC Augsburg - Borussia Dortmund 1:3 (0:1)
0:1 Reus (9.)
0:2 Lewandowski (51.)
0:3 Lewandowski (70.)
1:3 Mölders (82.)
Augsburg: Jentzsch - Callsen-Bracker, Sebastian Langkamp, Klavan, Ostrzolek - Ottl, Vogt (84. Bance) - Koo, Baier, Werner (60. Musona) - Oehrl (69. Mölders)
Dortmund: Weidenfeller - Piszczek, Felipe Santana, Hummels, Schmelzer - Sven Bender, Gündogan - Großkreutz, Götze (76. Leitner), Reus (85. Kirch) - Lewandowski (74. Schieber)
Schiedsrichter: Gräfe
Zuschauer: 30.660 (ausverkauft)
Gelbe Karten: Sebastian Langkamp (2), Vogt (4) - Sven Bender, Weidenfeller

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