Mittwoch, 5. Dezember 2012

GLÜCKLICHER GRUPPENSIEGER SCHALKE

MONTPELLIER - Die letzten Wochen waren für die Schalker alles andere als erfreulich. In der Liga büßte man einen komfortablen zweiten Platz und fünf Punkte Vorsprung auf den Intimfeind Borussia Dortmund ein. Die kurzfristige Träumerei von der ersten deutschen Meisterschaft nahm ein schnelles Ende. In der Champions League hingegen überzeugten die ungeschlagenen Knappen bisher. Auch am letzten Spieltag sollte es keine Niederlage geben. Das Unentschieden in Montpellier gegen den französischen Meister HSC spiegelte trotzdem die derzeitige Leistungsstärke wieder: Kraftlos und ohne Spielfreude. Die ausstehenden Verlängerungen und Transferspekulationen um Torjäger Huntelaar, Spielmacher Holtby und Trainer Stevens belasten die Mannschaft offensichtlich.



















Herrera erzielte für Montpellier in der 59. Minute den 1:1 Ausgleich. Metzelder (l.) kann nur einmal retten. Foto: AFP

Noch vor wenigen Wochen verriet alleine das Auftreten Stevens über den Gemütszustand auf Schalke. Dem sonst so knurrigen Holländer glitt sogar ein Lächeln über das Gesicht. Die zweite Seite der Medaille war sein aggressives Auftreten gegenüber den Journalisten, welches seine Mannschaft scheinbar anstachelte. Nicht nur nach dem überzeugenden Erfolg im Revierderby gegen Meister Borussia Dortmund, auch nach dem Auswärtssieg beim vermeintlichen Gruppenprimus FC Arsenal war die Euphorie in Gelsenkirchen riesengroß. Es wurde nicht nur von der Meisterschaft, sondern auch von einem ähnlich guten Abschneiden in der Königsklasse wie unter dem ungeliebten Trainer Felix Magath geredet. Fünf Wochen später, nach fünf sieglosen Spielen in der Bundesliga und einem mauen Unentschieden in Montpellier, ist von der Euphorie nur noch wenig vorhanden. Zwar reichte das Ergebnis für den Gruppensieg in der Champions League. Allein profitierten die Schalker aber davon, dass Arsene Wenger ebenfalls einigen Spielern, darunter den deutschen Nationalspielern Lukas Podolski und Per Mertesacker, eine Denk- und Schonungspause verordnete und seine junge Mannschaft den Gruppensieg trotz Führung leichtfertig verschenkte. 

In naher Zukunft geht es also sicher gegen einen Champions-League-Zweitplatzierten. Wie die Zukunft im sportlichen Bereich allgemein weitergeht ist aber unsicher: Die Hauptrolle hierbei nimmt Trainer Huub Stevens höchstselbst ein. Der Vertrag des Holländers läuft bereits am Saisonende aus, rückte in der Wahrnehmung von Sportdirektor Horst Heldt bisher aber noch nicht in den Fokus. Dabei heißt es aus dem Umfeld der Schalker, dass einige Spieler ihren Verbleib mit einer Verlängerung Stevens bedingen. Um Torjäger Klaas-Jan Huntelaar werden seit geraumer Zeit intensive Wechselgerüchte gestreut. Zuletzt wurde gar ein Wechsel in der Winterpause zu Arsene Wenger und dem FC Arsenal proklamiert. Lewis Holtby kokettiert offenbar wegen seiner Verbundenheit zu England ebenfalls zu einem Wechsel in die Premier League. Und nicht zuletzt das Theater um die Torwartrotation, dem einige Pfiffe der Schalker Anhänger gegen Lars Unnerstall vorausgingen, belastet die Mannschaft. Alle diese Unsicherheiten übertragen sich auf das Schalker Spiel und dessen Trainer Huub Stevens. Dieser reagiert mittlerweile dünnhäutig auf Kritik und Fragen der Journalisten. Sein mitunter aggressives Verhalten wird mittlerweile auch als negative Stimmungsmache wahrgenommen. Zuletzt spürten Lewis Holtby und Jefferson Farfan seine Wut beim 0:3 in Leverkusen, als er sie nach einer lautstarken Auseinandersetzung in die Kabine schickte. Auch die sonst so leidenschaftlichen Fans bekommen plötzlich Ärger mit dem Trainer, weil er die Pfiffe nach vier sieglosen Spielen in Folge nicht hören möchte.

Es wird Zeit, dass sich die Schalker Verantwortlichen gezielte Gedanken über die sportliche Zukunft des Vereins machen. Soll Huub Stevens den weiteren Weg des Teams lenken, oder wird einem neuen, womöglich jüngerem Trainer das Vertrauen geschenkt? Mit den vielen Fragen um die Zukunft im Rücken scheint die Mannschaft nämlich nicht umgehen zu können. Weitere ernüchternde Auftritte könnten nämlich die Folge sein. Wenn dies vermieden werden soll, gilt es, Klarheit zu schaffen. Eine Unsicherheit hingegen sollte das Spiel gegen Montpellier gelöst haben: Timo Hildebrand hielt derart überragend, dass die Diskussion um die Nummer eins wohl in Zukunft keine mehr ist.   

TEXT: Frederic Zauels (c)

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