Dienstag, 2. April 2013

DIE TSG-TRISTESSE

Die Entscheidung kam überraschend: Die TSG Hoffenheim entlässt sowohl Trainer Marco Kurz als auch Manager Andreas Müller fristlos. Auch wenn dieser Schritt wegen der anhaltenden Erfolgslosigkeit nachvollziehbar ist, zeigt er den Dilettantismus mit dem im Kraichgau ein Proficlub geführt wird. Mäzen Dietmar Hopp lässt es sich offenbar immer noch nicht nehmen, direkt in die Geschehnisse des sportlichen Bereichs einzugreifen. So mimt die Hoffenheimer Misere, auch wegen des Theaters um Nationaltorhüter Tim Wiese, einer Komödie nach.

Damals noch am strahlen: Manager Andreas Müller (l.) und seine Trainerverpflichtung Marco Kurz (r.) wurden heute in Hoffenheim entlassen. Foto: via bundesliga.de 

Hamburg. Es schlug die 70. Minute in der Veltins Arena. Im Duell mit dem um die Champions-League kämpfenden FC Schalke war die TSG drauf und dran Punkte im Abstiegskampf aufzuholen. Bis Linksverteidiger Fabian Johnson den Ball leichtfertig im Angriffsspiel abgab und der Schalker Marco Höger den anschließenden Konter mit einem Schuss in den Winkel abschloss. Danach fiel die Mannschaft von Kurz mal wieder auseinander. Am Ende siegte der FC Schalke glatt mit 3:0. Für die Hoffenheimer Mannschaft offensichtlich kein größeres Problem, hatte Manager Andreas Müller sie doch im Voraus bereits in Schutz genommen, als er eine mögliche Niederlage als üblich im Interview bei „sky“ abgestempelt hatte. Doch wenn nicht bei einem in den Leistungen schwankenden FC Schalke, der zuvor noch auf ähnliche Weise in Nürnberg untergegangen ist, gewinnen? Wo und vor allem wann dann, müssen sich Trainer und Manager fragen. Es schien fast so, als seien der erst in der Winterpause gekommene Marco Kurz wie auch der erst seit September 2012 als Manager fungierende Müller amtsmüde, ohne die notwendige Leidenschaft bestückt, den Abstiegskampf anzunehmen.

Leidenschaftliches Verhalten erkannte man als neutraler Beobachter in Hoffenheim auch nur, wenn es gegen Torhüter Tim Wiese ging. Zuerst mit dem Grunde, ihn nach schwächeren Leistungen vor der Außenwelt zu schützen, vom damaligen Trainer Markus Babbel auf die Tribüne versetzt, bis ihn Marco Kurz in der Winterpause dann doch wieder zur Nummer Eins erklärte, um ihm aber gleichzeitig die Kapitänsbinde zu entziehen. Als kurz vor dem Rückrundenstart Manager Müller selbst auf der Torhüterposition intervenierte und kurzerhand Heurelho Gomes verpflichtete wurde Wiese dann nochmals wie ein Spielball auf die Tribüne versetzt. Es folgten Disziplinlosigkeiten Wieses und die Verbannung vom Profitraining. Alleine diese eigentliche Randgeschichte des Hoffenheimer Leistungsabfalls in diesem Jahr mutet einer Zirkusnummer an. Mit Markus Babbel, einigen Millionentransfers wie denen der verheißungsvollen Stürmer Derdiyok aus Leverkusen sowie Joselu von Real Madrid B, sollte es eigentlich wieder Richtung Europa gehen. Doch gut gefüllte Taschen alleine reichen nicht, denn Geld schießt eben nicht immer Tore. Gerade die Zusammensetzung der aktuellen Mannschaft scheint ein großes Problem. Es gibt kaum Spieler, die über einen längeren Zeitraum der TSG verbunden waren. Fehlende Identifikation mit dem Verein drückt sich offenbar jetzt auch in mangelndem Einsatz aus. Die einzigen verbliebenen Spieler aus der Sensationshinrunde 2008, abgeschlossen unter dem damaligen Trainer Rangnick als Tabellenzweiter, sind Andreas Beck und der gerade aus einer schweren Verletzung wiedergenese Sejad Salihovic. An die damals erfolgreiche Zeit erinnert auch der als Retter auserkorene.

Nachfolger soll der zur Blütezeit Hoffenheims beigetragene Markus Gisdol, enger Vertrauter und damaliger Assistent von Ralf Rangnick, werden. In einer Mitteilung von Vereinsseite heißt es, dass der 43-Jährige Fußballtrainer mit dem Neuaufbau für die laufende, wie auch nachfolgende Saison betraut werden soll. Ebenso soll der aktuelle Leiter des Nachwuchsleistungszentrums Alexander Rosen nach „kicker“-Informationen die Aufgaben von Manager Müller interimsweise übernehmen. Bleibt abzuwarten, ob die Vereinsführung, bestehend aus Dietmar Hopp, den in Hoffenheim langjährig bekannten Gesichtern auch bei Erfolgslosigkeit weiterhin das Vertrauen schenkt.

Tim Wiese dagegen wurde am Ostersonntag begnadigt und nahm erstmals seit Februar wieder am offiziellen Mannschaftstraining teil. Offensichtlich war da die Entscheidung über die Zukunft der beiden sportlich Handelnden schon beschlossen. Auch, damit es nicht wie ein Aprilscherz anmutet, wurden die Entlassung wohl erst heute bekannt. Dabei ist im Zirkus Hoffenheim doch heutzutage nicht mehr komisch. 

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